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Designlab Digitale Haptik

Prolog. Wie wird die Evolution des Menschen weitergehen? Sind wir biologisch am Ende angekommen oder befinden wir uns nicht viel mehr erst am Anfang der Reise? Der Anthropologe John Hawks spricht davon, dass der Mensch sich noch in den letzten 30.000 Jahren genetisch verändert und an neue Lebensbedingungen angepasst hat und dies auch noch so weitergehen wird. Somit stellt sich uns die Frage, wie sich der Mensch in den nächsten 20.000 – 50.000 Jahren weiterentwickeln wird. Welche Mutationen treten also auf, die uns beispielsweise an das digitale Zeitalter anpassen?


Hintergrund. Schon heute fallen motorische Rückschritte auf, die durch den computerbedingten Bewegungsmangel hervorgerufen werden. Auch lassen die aktuellen Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine nur noch wenig sensorisches Feedback zu, was auch ein Grund für ein Verkümmern der motorischen und haptischen Fähigkeiten ist. Ob Sprach- oder Gestensteuerung, das Berühren oder Bewegen von Objekten nimmt immer weiter ab. Auch physische Tasten gehören der Vergangenheit an und wir schieben nur noch Daumen oder Zeigefinger über glatte Touchoberflächen. Nicht nur bei den Eingabegeräten kommt es zu Veränderungen. Die virtuellen Daten verdrängen haptische Medien. Auf der Cloud abgelegt, befinden sich alle Daten in einer nebulösen Welt, die schwer zu fassen scheint. War aber jedoch das betrachten mit den Händen nicht der wichtigste Sinn, mit dem wir schon in der Kindheit die Welt entdeckt haben. So stellt beispielsweise Haptik-Forscher Dr. Martin Grundwald die haptische Wahrnehmung an die Spitze aller Sinne. Er beschreibt, dass der Mensch über Berührungen viel differenzierter wahrnehmen kann, als dies durch das Sehen möglich ist. So lassen sich beispielsweise Oberflächenunterschiede ab 1 μm ertasten, wo das Auge erst ab 80-100 μm etwas erkennt. Auch ist bekannt, dass die haptische Wahrnehmung die Didaktik des Menschen fördert. Sollten wir also nicht diese naturgegebene Fähigkeit gezielter einsetzen und wie schon als Kind dafür verwenden, Dinge schneller zu begreifen? Oder wie der Pädagoge Johann Heinrich Pestalozzis so schön sagte: „Lernen Sie mit Kopf, Herz und Hand.“

Ansatz. Stellen sie sich den Arbeitsplatz der Zukunft als Spielplatz vor, an dem man sich austoben kann. Den Sandkasten bilden morphende Materialien, die mittels wandelnden Oberflächen mit dem Nutzer auf haptischer Ebene kommunizieren und alle Informationen in Strukturen übersetzen. Über die Manipulation dieser Oberflächen kann dieses Werkezeug auch als Dateneingabe verwendet werden. Stellvertretend für die großen Datenmengen befinden sich am Arbeitsplatz der Zukunft natürlich auch physische Gegenstände, die die Arbeit wieder greifbar machen. Somit kommt auch eine schöpferische Komponente hinzu, die hier häufig nicht gegeben war. Wie beim Spiel mit Bausteinen, können Daten verarbeitet, entfernt oder auch einfach abgelegt werden. Baufläche ist hier der ganze Arbeitsplatz, der in der Zukunft nicht aus holografischen Interfaces besteht, sondern viel mehr aus smarten Objekten, die einen effizienteren und natürlicheren Austausch zwischen Mensch und Maschine ermöglichen.

to be continued…